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Fahrerlaubnis und Führerschein

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Die Fahrerlaubnis ist die behördliche Genehmigung zum Führen von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen. Sie ist an einen bestimmten Fahrzeugtyp, die Fahrzeugklasse, gebunden: Wer die Fahrerlaubnis für eine Klasse besitzt, hat das Recht, ein Kraftfahrzeug dieser Klasse zu führen (Fahrerlaubnisklasse).

Der Führerschein ist das persönliche Dokument (Urkunde!) über die Erteilung einer Fahrerlaubnis in Deutschland, beziehungsweise einer Lenkberechtigung in Österreich. In der Schweiz lautet die Bezeichnung dieses Dokuments Führerausweis.


Der EU-Führerschein

Fahrerlaubnis

EU-Führschein, von 1998 PKW 2006 auf A direkt erweitert

Der EU-Führerschein im Scheckkartenformat hat den alten rosa Papierführerschein abgelöst. Auf der Rückseite sind die Fahrerlaubnisklassen vermerkt. Markierungen mit Stern *) verweisen auf das Beschriftungsfeld links oben. Hier kann der Prüfer unmittelbar nach dem Ende der bestandenen praktischen Führerscheinprüfung das Datum eintragen. Wäre es gedruckt und der Prüfling fällt durch, müsste der Führerschein vernichtet und neu erstellt werden. Wird der Führerschein erst nach der Prüfung hergestellt, muss der Prüfling danach noch einige Tage warten. Einige Kommunen beschriften das Textfeld, andere lassen der Prüfling nach der Prüfung auf den Führerschein warten und stellen ggfs. Übergangsdokumente aus, falls es eine Führerscheinerweiterung war.


Führerscheinerwerb

Die theoretische Prüfung kann frühestens 3 Monate vor dem Mindestalter des Führerscheins abgelegt werden, die praktische Prüfung frühestens 1 Monat vorher. Da man zuvor die Theoriestunden hören muss und die Bearbeitung des Führerscheinantrags auf dem Meldeamt bis zu 3 Monate dauern kann ist die es anzuraten, sich 6 Monate vor dem gewünschten Termin (normalerweise kurz vor oder nach dem Geburtstag) zum Führerschein anzumelden.

Dazu braucht man:

  • Passbild
  • Sehtestbescheinigung (ca. 6 Euro beim Optiker oder Augenarzt, 2 Jahre gültig)
  • Nachweis eines Erste Hilfe-Kurses (entfällt wenn vorher schon ein anderer Führerschein besteht)
  • Anmeldung beim Amt (ca. 60 Euro)
  • Anmeldung bei einer Fahrschule (100-180 Euro sofort, insgesamt 800-1.300 Euro ohne durch Prüfungen zu fallen)

Ferienfahrschulen unterrichten Theorie und Praxis im Block als Vollzeitprorgramm. So kann man innerhalb von 2 Wochen mit allen Theorie- und Fahrstunden und Prüfungen durchkommen. Beantragen muss man den Führerschein trotzdem noch einige Wochen (besser 3 Monate) vorher.


Fahrerlaubnisklassen für Krafträder

Mofa

50 ccm, 25 km/h, 1 Sitzplatz, Mindestalter 15 Jahre. Ab 16 Jahre darf man ein Kind bis 7 Jahre mitnehmen. Fürs Mofa braucht man eine Prüfbescheinigung, wenn man keinen Führerschein hat. Für Mofa gibt es keine eigene Fahrerlaubnisklasse. Mofas werden gerne von Jugendlichen gefahren oder von Personen, denen der Führerschein entzogen wurde, die danach aber die Prüfbescheinigung abgelegt haben. Das Führen von Mofas ist nach dem Entzug der Fahrerlaubnis verboten, auch wenn man weiterhin eine Prüfbescheinigung besitzt. Durch das Fahrverbot darf man keine Kraftfahrzeuge führen; darunter fallen Mofas, Fahrräder mit Hilfsmotor; Autos und Motorräder ohnehin.


Klasse AM

Motorisierte Kleinkrafträder bis maximal 50 ccm und einer Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 45 km/h (bis 50 km/h, wenn sie bis zum 31.12.2001 erstmals in den Verkehr gekommen sind und bis 60 km/h bei Fahrzeugen wie der Simson Schwalbe aus der ehemaligen DDR). In der Regel sind dies Mofas, Mopeds und Roller. Für Motorradfahrer eher uninteressant, aber ein erster preisgünstiger Einstieg in die Welt motorisierter Zweiräder für Jugendliche und Autofahrer, außerdem eine Notlösung bei akutem Geldmangel. Solche Fahrzeuge dürfen nicht auf die Kraftfahrstraßen (Autobahnen und andere ausgeschilderte Schnellstraßen), was je nach Region die Wegwahl verkomplizieren und die Fahrzeit unverhältnismäßig verlängern kann. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre.

Gemessen daran, dass der Besitz der Klasse M weder die Probezeit mit PKW noch künftige Führerscheinerwerbe verkürzt und weil er in allen anderen Klassen (B, A, A1) enthalten ist, ist der Führerschein Klasse M recht teuer.

Klasse AM wurde bis 2013 Klasse M genannt. Sie ist aber nicht Teil des neuen "Aufstiegsprogramms" nach 2 Jahren Besitz einer Klasse, wie es die folgenden Klassen sind:


Klasse A1

Hierfür ist ein Mindestalter von 16 Jahren Voraussetzung. Es dürfen motorisierte Krafträder mit einem Hubraum von nicht mehr als 125 ccm und einer Nennleistung von nicht mehr als 11 kW/15 PS (Leichtkrafträder) gefahren werden.

Das ist alt: Minderjährige fuhren maximal mit 80 km/h. Diese Regelung ist seit gestern, sowohl für bestehende als auch für zukünftige Führerscheine, aufgehoben.

Das bleibt unverändert: Leistungsgrenze: 11 kW, Hubraumgrenze: 125 ccm

Das ist neu: maximales Leistungsgewicht: 0,1 kW/kg nach FeV §6 Art. 1

Klasse A2

Diese Führerscheinklasse wird zum 19.01.2013 in Deutschland eingeführt. A2 wird die Klasse "A beschränkt" ablösen. Der Führerschein Klasse A2 schließt weiterhin Klasse M ein und das Mindestalter bleibt 18 Jahre. Nach zwei Jahren Besitz kann A2 durch Ablegen einer praktische Prüfung in Klasse A umgewandelt werden.

A2 beinhaltet Krafträder mit bis zu 35 kW/48 PS und einem Leistungsgewicht bis zu 0,2 kW/kg Quelle. 0,2 kW/kg ist für alle bekannten serienmäßigen Motorräder gedrosselt ausreichend, z.B. 175 kg bei 35 kW/48 PS. Nur leichte Enduros und Supermotos kommen nah an diese Grenze, z.B. die Yamaha WR250X mit 22 kW/136 kg und entsprechend 0,16 kW/kg.

Die EU-Regelung, dass eine A2-Maschine nicht von einem Fahrzeug mit mehr als der doppelten Motorleistung (also 70 kW/96 PS) abgeleitet sein darf, wird in Deutschland nicht umgesetzt (Quelle). Es dürfen also auch stärkere Maschinen gedrosselt werden.

Die Legalität bei einer Fahrt ins Ausland ist unklar: Die Begrenzung der offenen Leistung des gedrosselten Motorrads im EU-Ausland würde bewirken, dass Fahranfänger keine Maschinen fahren dürfen, die ungedrosselt mehr als 70 kW/96 PS leisten. Somit entfallen praktisch alle aktuellen Supersportler und alle hubraumstärkeren Mittel- und Oberklassemotorräder, die normalerweise versicherungsgünstige 98 PS oder mehr als 100 PS leisten. Ob bei einer Fahrt ins Ausland das Recht des Landes, in dem das Fahrzeug zugelassen und der Führerschein ausgestellt wurde, oder das Recht des Landes, in dem gefahren wird gilt ist unklar.

In MOTORRAD wurde dazu die Auskunft einer Österreicher Behörde abgedruckt, dass es nicht erlaubt ist, mit einer von über 70 kW/96 PS gedrosselten Maschine in Österreich mit Führerscheinklasse A2 zu fahren, selbst wenn sie auf 35 kW/48 PS gedrosselt ist.

Übergangsregeln von A beschränkt zu A2

Mit dem alten "A beschränkt" dürfen seit dem 20.1.2013 auch Maschinen mit 35 kW/48 PS und 0,2 kW/kg gefahren werden. Zwei Jahre nach dem Erwerb von "A beschränkt" darf "A offen" gefahren werden ohne zusätzliche Prüfung.

Klasse A

Der Führerschein Klasse A (auch beschränkt) schließt die Klassen A1 und M ein. Die Versicherungsprämien sind bei Motorrädern mit 25 kW/34 PS relativ günstig, Anfänger zahlen für Maschinen um 600 ccm ca. 200 € pro 12 Monate Haftpflicht und Teilkasko. Erst in der Klasse über 72 kW/98 PS schnellen die Prämien sehr deutlich in die Höhe, da hier das versicherte Risiko am höchsten ist.

Altes Recht (bis 16.01.2013)

Klasse A gilt für alle Krafträder. Wer die Fahrprüfung vor dem 25. Geburtstag ablegt, darf erst zwei Jahre nach der Prüfung Maschinen über 25 kW/34 PS fahren. Die Fahrerlaubnis nennt man in diesem Zeitraum "A beschränkt". Es gibt auch eine Begrenzung des Leistungsgewichts (max. 0,16 kW/kg), die aber für die allermeisten Maschinen nicht von Belang ist. Ausnahme sind einige alte Zweitakt-125er. Zwei Jahre nach Bestehen der Prüfung darf man automatisch Maschinen über 25 kW/34 PS fahren. Der Führerschein kann, muss aber nicht umgeschrieben werden. Wer innerhalb dieser zwei Jahre 25 wird, kann durch eine zusätzliche Fahrprüfung von der Leistungsbeschränkung befreit werden. Die zwei Jahre Drossel-Zeit haben mit der Probezeit nichts zu tun!

Wer bei der erfolgreichen Fahrprüfung bereits das 25. Lebensjahr vollendet hat, darf direkt Motorräder ohne Leistungsbeschränkung fahren. Voraussetzung ist jedoch, dass Ausbildung und Prüfung auf einem Motorrad der unbeschränkten Leistungsklasse gemacht wurden (mindestens 44 kW/60 PS). Die Fahrprüfung kann bereits einen Monat vor Erreichen des 25. Lebensjahres abgelegt werden; der Führerschein wird jedoch frühestens am Tage des 25. Geburtstages ausgehändigt.

Neues Recht (ab 16.01.2013)

Künftig gibt es nicht mehr "A unbeschränkt" und "A beschränkt", sondern "A" und "A2". Nach 2 Jahren A2 kann man mit einer Fahrprüfung zu A aufrüsten. Direkteinstieg zu A geht ab 24 Jahren.

Es ist möglich, auch nach vollendetem 25. Lebensjahr (ab 2013: 24. Lebensjahr) die Klasse A beschränkt zu machen, in der Praxis dürfte dies jedoch keine nennenswerte Rolle spielen, da sich kaum jemand freiwillig derart in der Wahl seines Motorrades einschränkt. Auch was die Möglichkeit Probefahrten zu machen anbelangt, hätte man ausschließlich Nachteile, da nur wenige auf 25 kW/34 PS gedrosselte Vorführ-Maschinen auf dem Markt sind. Mitunter weichen besonders kleine Fahrer auf diese Weg aus, wenn sie keine Fahrschule mit einer ausreichend tiefen, aber doch leistungsstarken Maschine finden können.


Kosten

Die Kosten schwanken regional sehr stark - sie sind im folgenden nur zum Vergleich der Klassen untereinander geeignet. Außerdem werden Führerscheine immer teurer. Darum lohnt Abwarten eher nicht und alte Preise aus Erzählungen sind mit Vorsicht zu genießen.

  • Mofa-Prüfbescheinigung (25 km/h) ca. 70 Euro
  • Klasse M (50 ccm) ca. 500 Euro
  • Klasse A1 (125 ccm) ca. 700 Euro
  • Klasse A (beschränkt oder offen) ab ca. 1.000 Euro, mit Vorbesitz A1 ca. 700 Euro
  • Klasse B ca 1300 Euro

Rechenbespiele:

  • mit 16 Kl. M, mit 18 Kl. A und B: 2.800 Euro
  • mit 16 Kl. A1, mit 18 Kl. A und B: 2.700 Euro - du zahlst ingesamt weniger, darfst im Alter von 16 bis 18 volle 80 km/h statt 45 km/h fahren und hast deine Probezeit mit 18 schon beendet, wenn du dir nichts zuschulden kommen lässt.


Probezeit

Die Probezeit ist eine Verschärfung der Sanktionen für Fehlverhalten von Fahranfängern aller Klassen (außer M) im Straßenverkehr.

Die Probezeit dauert zwei Jahre ab Erwerb der ersten Fahrerlaubnis (ausser Klasse M). Bei zwei Verstößen der Kategorie B oder einem Verstoß der Kategorie A wird eine Nachschulung fällig und die Probezeit verlängert sich einmalig um zwei Jahre.

Die Probezeit hat nichts zu tun mit:

  • der zweijährigen Leistungsbeschränkung der Klasse A auf 25 kW/34 PS
  • der zweijährigen Geschwindigkeitsbeschränkung der Klasse A1 auf 80 km/h

Details siehe Hauptartikel Probezeit.


Führerschein vs. Alkohol im Straßenverkehr

In Deutschland gilt im Straßenverkehr die 0,5-Promille-Grenze, bei Beteiligung an einem Unfall ist ab 0,3 Promille ein Bußgeld und (mindestens) Teilschuld fällig. Für Fahranfänger (weniger als 2 Jahre Führerscheinbesitz) und alle unter 21 Jahren gilt ab 01.08.2007 die 0,0-Promille-Grenze! Dabei gibt es keinen "Bestandsschutz", d. h. diese Regelung gilt auch für Personen, die ihren Führschein vor dem 01.08.2007 erworben haben.

Die Strafen für Fahrten unter Alkoholeinfluss sind drastisch, besonders bei Wiederholungstätern. Bedenkt, dass das Urteilsvermögen nicht nur beim Fahren selbst getrübt ist, sondern auch bei der Entscheidung, ob man noch fahren kann. Man fühlt sich meistens nüchterner als man tatsächlich ist. Dies gilt besonders für Personen, die beim Alkoholkonsum bereits eine gewisse Routine entwickelt haben. Bei hohem Blutalkoholwert ohne sichtbare Anzeichen von Trunkenheit ist oft direkt eine MPU fällig, da dann von gewohnheitsmäßigem Trinken ausgegangen werden kann.


Führerscheine aus dem Ausland

Vielen Deutschen erscheint es verlockend, den Führerschein im Ausland zu machen: Geringere Kosten und einfachere Prüfungen sind nur zwei Vorteile. Wer bisher keinen deutschen Führerschein besessen hat, kann das legal tun, sofern er sich tatsächlich 185 Tage im EU-Ausland aufgehalten hat, z. B. im Rahmen eines Auslandsstudiums. Der EU-Führerschein muss nicht umgeschrieben werden. Es gilt aber das Mindestalter von 18 Jahren beim Fahren in Deutschland. Achtung: Wer einen deutschen Führerschein (z. B. wegen Trunkenheit im Straßenverkehr) abgeben musste, darf auch mit einem ausländischem Führerschein nicht in Deutschland fahren! Dazu gibt es mittlerweile eine recht eindeutige Rechtsprechung.

Günstiger sind Führerscheine im östlichen EU-Ausland, in den Niederlande dagegen sind sie teurer.

EU-Ausländer dürfen ihren Führerschein unbegrenzt in Deutschland nutzen, Nicht-EU-Ausländer nur 6 Monate. Diese können ihn einmalig um 6 Monate verlängern. Für viele Staaten gibt es Anerkennungsabkommen, siehe hier. Ansonsten muss eine neue theoretische und/oder praktische Prüfung abgelegt werden. Einige Fahrschule bieten besondere Kurse für erfahrene Fahrer an, die deutlich günstiger als der reguläre Ersterwerb des Führerscheins sind.

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