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Die Höchstgeschwindigkeit eines Motorrades wird hauptsächlich durch drei Faktoren beeinflusst: Höchstleistung des Motors, Übersetzung, Aerodynamik. Die Reifen müssen natürlich für die erzielbare Höchstgeschwindigkeit geeignet sein.

Das erste Großserienmotorrad, das über 300 km/h erreicht hat (Suzuki Hayabusa 1300), löste derart heftige Diskussionen in den Medien aus, dass sich die großen Hersteller freiwillig auf ein Limit von 299 km/h einigten, um einem Gesetz für ein generelles Tempolimit für Motorräder zu entgehen. So ist es jedem Motorradfahrer, der den Drang verspürt sein Gefährt jenseits der 300 km/h Marke zu bewegen, weiterhin möglich, die eigene Maschine entsprechend zu entdrosseln oder zu tunen.


Die RealitätBearbeiten

Hersteller werben grundsätzlich nicht mit hohen Höchstgeschwindkeitswerten. Z. B. gibt Suzuki seine Supersportler nur mit "über 200 km/h" an. Wer genaue Werte erfahren will, muss Zeitschriften kaufen, in denen das Modell getestet wird. Andere Hersteller (z.B. Honda) geben gar keine Werte mehr an.

Gegen Hochgeschwindigkeitsfahrten sprechen:

  • wenige Minuten mit Höchstgeschwindigkeit genügen, um die Laufzeit des Reifens erheblich zu reduzieren. Der Hinterreifen wird eckig. Gute Reifen sind bekanntlich teuer.
  • wegen permanent abgerufener Höchstleistung wesentlich erhöhter Motorverschleiß
  • ungleich höhere Windgeräusche können dauerhaft Ohrenprobleme verursachen
  • Autofahrer können die Geschwindigkeit eines Motorrads im Rückspiegel nicht einschätzen, da die Silhouette zu klein ist, um durch ihre Größenänderungen einen Geschwindigkeitseindruck zu vermitteln.
  • der Benzinverbrauch steigt auf das Maximum. Dies kostet Geld und Reichweite
  • die Überlebenschancen im Falle eines Sturzes sinken mit der Erhöhung der Geschwindigkeit dramatisch; selbst wenn man das Glück haben sollte weder mit Verkehrsteilnehmern noch mit Hindernissen zu kollidieren, ist, ohne ausreichende Sicherheitsbekleidung, mit erheblichen Verbrennungen zu rechnen.

Normalerweise fühlen sich Fahrer unverkleideter Motorräder ab 140 km/h langsam unwohl, über 220 km/h fahren wenige über einen längeren Zeitraum.


DrosselungenBearbeiten

  • 25 km/h: Mofa ab 15
  • 45, 50, 60 km/h: 50er Roller, Kleinkraftäder, Mopeds - je nach Baujahr (ab 2002 45 km/h, davor 50 km/h, DDR-Altfahrzeuge 60 km/h)
  • 60 km/h zulässige Höchstgeschwindigkeit von Zweirädern mit Anhänger, keine Drosselung nötig
  • 62 km/h mindestens erforderliche bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit damit ein Fahrzeug die Autobahn befahren darf
  • 89 km/h (geeicht!): in Deutschland zugelassene LKW
  • 180 km/h: in Japan neu zugelassene PKW
  • 250 km/h: Viele PKW deutscher Marken (außer Porsche)
  • 299 km/h: Freiwillige Selbstbeschränkung der Motorrad-Großserienhersteller seit 2002.


Typische WerteBearbeiten

Grobe Geschwindigkeitswerte einiger straßenzugelassener Modelle als grober Anhaltspunkt, Abweichungen möglich je nach Stirnfläche, Übersetzung und Fahrzeuggewicht:

  • unverkleidet: 15 PS 110 km/h, 27 PS 130 km/h, 34 PS 140 km/h, 50 PS 170 km/h, 78 PS 190 km/h, 98 PS 210 km/h
  • vollverkleidet: 15 PS 120 km/h, 27 PS 140 km/h, 34 PS 150 km/h, 50 PS 180 km/h, 78 PS 220 km/h, 98 PS 230 km/h, 130 PS 270 km/h, 170 PS 290 km/h
  • Einzylinder-Enduros: maximal 165 km/h. Einzylinder leiden besonders unter Volllastfahrten wegen der starken Vibrationen, sind oft kurz übersetzt und gewöhnlich eher Drehmoment-orientiert ausgelegt.


Tachoabweichung: Gesetzliche LimitsBearbeiten

Ist ein Kraftfahrzeug vor dem 01.01.1991 erstmals zugelassen worden, darf der Tacho in den beiden letzten Dritteln seiner Anzeigenskala (mindestens jedoch ab 50 km/h) bis zu sieben Prozent vom Endwert abweichen. Heißt: Bei einem Tacho bis 250 km/h ist eine Abweichung von 17,5 km/h erlaubt.

Noch großzügiger dürfen Kraftfahrzeuge messen, die nach dem 01.01.1991 erstmals zugelassen wurden: maximale Abweichung zehn Prozent plus 4 km/h möglich. Statt 250 km/h dürfen also auch 279 km/h auf dem Tacho stehen. Tachos dürfen allerdings nie zu wenig anzeigen. Darum zeigen praktisch alle Tachos zu viel an.


Tachoabweichung FeststellenBearbeiten

Wer seine Geschwindigkeit genauer wissen will, kann ein Navi benutzen - das auch wirklich fest hält. Die GPS-Geschwindigkeitsbestimmung ist normalerweise recht genau.

Geeichte Tachos finden sich in allen Fahrzeugen mit Fahrtenschreiber (LKW und alles mit Blaulicht). Wer einem deutschen LKW hinterfährt, der in der Ebene freie Fahrt hat, fährt sehr genau 89 km/h (LKW sind auf dieses Tempo gedrosselt). So ist ein einfacher Test der Tachogenauigkeit möglich.

Wind: 10 km/h Rückenwind bedeuten i. d. R. 10 km/h mehr Endgeschwindigkeit. Wenn du also regelmäßig Höchstgeschwindigkeit fährst und dich wunderst, warum es an manchen Tagen besser und an anderen schlechter läuft: Das liegt am Wind.

Unebenheiten: Bergab fährt man logischerweise schneller als in der Ebene und dort schneller als bergauf. Kleinere Steigungen und Gefälle bemerkt man auf dem Motorrad bei großen Geschwindigkeiten nicht, eher auf dem Fahrrad. Wer eine brettebene Teststrecke sucht, kann z. B. bei Google Earth oder mit einem Navi kontrollieren, wie eben eine bestimmte Strecke wirklich ist.

Erfahrungswerte über Höchstgeschwindigkeit sind also mit Vorsicht zu genießen - 30 km/h mehr als im Fahrzeugschein stehen können nur durch Tachoabweichung und Rückenwind zustande kommen. Wenn du es für dich wissen willst, suche dir eine Autobahn mit wenig Verkehr, ohne Tempolimit und möglichst wenig Anwohnern, fahre immer die gleiche Strecke hin und zurück und nimm daraus den Mittelwert. So eliminieren sich die Einflüsse von Wind und Steigungen.


Tachoabweichung korrigierenBearbeiten

Eine Korrektur wird besonders wichtig, wenn die Übersetzung verkürzt wurde, z.B. mit einem kleineren Ritzel, da die Abweichung dann noch größer wird. Umgekehrt kann eine längere Übersetzung die Abweichung (nahezu) aufheben oder gar umkehren.

Für elektronisch angesteuerte Tachos gibt es kleine Zwischengeräte ("Speedohealer"), die die Impulse vom Geber (oft am Ritzel) einstellbar verringern oder erhöhen. Die Versys 650 zeigt z.B. ab Werk 7,3% zu viel an, also stellt man den Speedohealer auf -7,2% ein. Dadurch zeigt er weiterhin nie zu wenig an, aber nur 0-1 km/h zu viel.

Bei mechanisch angesteuerten Tachos gibt es zwei Möglichkeiten: Individuelle Tachoscheiben aus eigener Fertigung, oder ein anderer Tachoantrieb. Bei den meisten Herstellern haben die Tachos die gleiche Übersetzung (zwischen Tachowelle und Anzeige), die Anpassung an den Abrollumfang des jeweiligen Modells erfolgt durch die Tachoschnecke (auch bekannt als Tachowellenantrieb) direkt an der Vorderachse. Einen mechanisch passenden Tachoantrieb mit genauerer Übersetzung zu finden ist nicht einfach, dabei hilfreich ist ein Abrollumfangrechner.


LinksBearbeiten

Motorrad Online - Speeding mit Tempo 300 - MV Agusta F4 R 312 und Popko-Kawasaki ZZR 1400

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